Zeitblasen
Ein Recherche Projekt über Zeitzusammenstöße
von Sabine Karb und Sylvia Weikert

Immer schneller, immer weiter, immer mehr  —

In unserer kapitalistischen Lebensführung sind Pausen und Wartezeiten nicht mehr vorgesehen. Denn Zeit ist Geld. Wir sind stolz darauf, hoch getunt, getaktet und zeitoptimiert Schritt mit unseren eigenen Ansprüchen zu halten. Wären da nicht diese Langsamkeitsblasen und ihre Bewohner.

In dem Rechercheprojekt „Zeitblasen“ geht es um das Erforschen des Aufeinandertreffens von verschiedenen Lebensrhythmen und den bizarren, tänzelnden Bewegungsmustern, die dabei entstehen.

Dazu möchte ich Untersuchungen zu verschiedenen Aspekten, die unser Zeitempfinden beeinflussen, durchführen und Situationen künstlerisch unter die Lupe nehmen, in denen sich Zeitzusammenstöße ereignen.

 

Jeder Mensch kennt Momente, in denen das eigene, als normal empfundene Lebenstempo jäh an Grenzen stößt. Sei es beim eiligen Einkauf an der Supermarktkasse, beim Schlange stehen auf der Post, oder wenn man durch eine Verletzung oder Krankheit ausgebremst wird.

Bewusst aufgefallen sind mir die dabei entstehenden, abgehackten „Zucktänze“ ausgebremster Erwachsener zum ersten Mal im Vorraum des Kindergartens unserer Tochter. Auf der einen Seite Kleinkinder, die in ihrem Tempo Schuhe, Jacken, Schals und Mützen anzogen – und unten an der Treppe die von der Arbeit herangehetzten Eltern. In einem bizarren Tanz traten sie von einem Fuß auf den anderen, drehten sich um sich selbst, Arme und Hände zuckten und spiegelten die Anziehversuche der Kinder. Sie versuchten durch Winken und Zurufen das Anziehen zu beschleunigen und schienen an eine unsichtbare, elastische Wand zu stoßen. Vor meinem Auge entstand das Bild einer großen Seifenblase der Langsamkeit, an der die schnellen, kleinen ankommenden Seifenblasen hilflos zerplatzten.

Teil I – Vortrag von Jonas Geißler
von times and more - Institut für Zeitberatung

 

Wann
Dienstag, 31.5.22 um 18 Uhr ( bis ca 20 Uhr)

Wo
Halle 6, Studio 1, Dachauerstr 112 d, 80636 München
Tram 12, 20, 21, Bus 53 / Leonrodplatz

Um Anmeldung wird gebeten unter Kontakt

Eintritt frei

Zeitblasen ist Gast der Tanztendenz München e.V. 

 
 

Inhalt und zur Person

Im ersten Teil der Recherche möchte ich mir theoretisches Wissen aneignen und dabei zeitwissenschaftliche, soziologische und physikalische Erkenntnisse hinzuziehen. Welche Faktoren außer den offensichtlichen, wie Lebensalter, Ort, Tätigkeit und Kultur, sind zu berücksichtigen? 

Zeit ist das, was wir vermissen. Das war nicht immer so. Die Zeiten haben sich bekanntermaßen geändert, und sie werden dies auch weiterhin tun. Das Wissen um die Gründe und die Art und Weise wie sie das getan haben, ist eine notwendige Voraussetzung, ihr nicht immerzu nachlaufen zu müssen.Der erste Teil des Vortrags beschreibt, wie es dazu kam, dass wir so mit Zeit umgehen, wie wir es heutzutage tun.

Der zweite Teil des Vortrags richtet den Blick auf die moderne Arbeits- und Lebenswelt, die von gesellschaftlichen und technologischen Beschleunigungstrends geprägt ist. Beschleunigung erfolgt heute nicht mehr nur linear, sondern vor allem über die Verdichtung der Tätigkeiten. Dies bringt zahlreiche Freiheiten, aber auch neue Zwänge und Belastungen mit sich.

Wie lässt sich auf diese Anforderungen reagieren?

Was passiert mit uns, wenn wir unerwartet zum Innehalten gezwungen werden?

Im Anschluß an den Vortrag freuen wir uns auf eine offene Diskussionsrunde

Jonas Geißler

Link zur Homepage

Klassisch würde man sagen, Jonas Geissler ist Organisationsberater, Keynote Speaker und Autor. Was er aber wirklich tut: er ist Gestalter von Kommunikationszeiträumen für Transformationsprozesse. Er ist Zeitraumgestalter.

Ensemble & Infos

 

Ensemble

Idee: Sabine Karb und Sylvia Weikert

Ich freue mich sehr über die erneute Zusammenarbeit mit Sylvia Weikert.

Sie studierte zunächst Politik, Psychologie und Medienpädagogik an den Universitäten in München, Augsburg und London. Sie absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Berufsfachschule für darstellende Kunst „Schauspiel München“ und arbeitet jetzt als freie Schauspielerin, Synchronsprecherin und Musicaldarstellerin. Neben Ihren Schauspielengagements bildete sie sich tänzerisch fort.  

Nach ihrem Schauspielstudium stand sie für mehrere Theater- und Tanztheater-produktionen, u.a. an der Komödie am Max II in München, beim Südbayerischen Theaterfestival, im Kurtheater Bad Wörishofen, im Tanzspeicher in Würzburg, im Theater und sofort, im Heppel und Ettlich und am Landestheater Niederbayern, auf der Bühne. 

Seit 2009 arbeitet sie projektweise immer wieder mit Sabine Karb zusammen – bei Produktionen für das Tollhaus und die Orgelfabrik in Karlsruhe. Dabei entstanden Stirbt und fängt zu singen anOper im AngebotWrgsgrf und Burnout Gesellschaft-3.0

Ferner wirkte Sylvia Weikert in diversen Kurzfilmen, Werbeproduktionen und TV-Serien (z.B. Siska fürs ZDF; Regie: Vadim Glowna) mit. Außerdem stand sie bei den Salzburger Festspielen als Tänzerin in Glucks Orfeo ed Euridice auf der Bühne (Regie: Dieter Dorn, Choreografie: Ramses Sigl, Musikalische Leitung: Riccardo Muti).

 
 

Wie geht es im Anschluss an den Vortrag mit „Zeitblasen“ weiter?

In Teil 2 der Recherche werde ich mit meiner Kollegin Sylvia Weikert Bewegungsstudien und -beobachtungen an schnellen und langsamen Orten im öffentlichen Raum durchführen sowie Zeitinterventionen erarbeiten und dokumentieren. 

Daraus resultiert dann in Teil 3 eine tänzerisch-künstlerische Reflexion als Grundlage für ein spartenübergreifendes Tanz-Theater-Hörspiel-Projekt. 

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